Genau drei Jahre nach dem sensationellen Aufstieg schaffte der FC Winterthur vor einer Woche erneut den direkten Klassenerhalt. Angesichts des Saisonverlaufs ist dies nicht minder sensationell als der damalige Aufstieg. Ich muss gestehen, dass ich während dieser Saison nicht immer viel darauf gewettet hätte, dass der Abstiegskelch am FCW vorbei geht. Ich habe mich gerne geirrt.
Der Ligaerhalt zeigt zwei Dinge. Erstens: Ein funktionierendes Team ist – das lässt sich auch auf eine Gesellschaft übertragen – mehr ist als die Summe der Individuen, die ihm angehören. Der FCW hatte von der Qualität der Einzelspieler nüchtern betrachtet die zwölftbeste Mannschaft der Liga. Aber es gelang insbesondere nach der Verpflichtung von Uli Forte, die richtige Auf- und Einstellung zu finden. Das Maximum aus den individuellen Möglichkeiten herauszuholen. Und als eingeschworenes Kollektiv den entscheidenden Unterschied zu machen. Dazu beigetragen haben alle: Spieler und Ersatzspieler – gerade auch jene, die nicht aufgeboten wurden. Trainer, Staff, Mitarbeitende auf der Geschäftsstelle und Vorstand. Und die Fans neben dem Platz.
Damit wären wir beim zweiten Highlight: Vor drei Jahren wurde ich nach dem Aufstieg in einem WOZ-Interview gefragt: «Wird die «Schützi» ihren Charakter behalten können?». Die Frage griff ein Thema auf, das im FCW-Umfeld herumgeisterte. An dieser Stelle schrieb ich damals: «Klar, es wird nicht mehr alles genau so sein wie früher. Ich werde länger anstehen müssen beim Wurststand. Ich muss mich entscheiden, ob ich das Spiel aus der Bier- oder der Sirupkurve verfolgen will. Es wird ein grösseres Sicherheitsaufgebot geben. Und für mich am Bedauerlichsten: Wir werden nicht mehr so viele FCW-Tore wie in der letzten Saison bejubeln können. Aber unter dem Strich überwiegen auf und neben dem Platz klar die Chancen.» Nun, drei Jahre später kann man sagen: Es ist ziemlich genau so eingetroffen. Die nur gut halb so vielen Tore haben wir dafür mindestens doppelt so intensiv bejubelt. Und am Schluss wollte niemand absteigen und alle haben den FCW zum Klassenerhalt angetrieben. Das ist die grösste Leistung: Wir haben die Komfortzone verlassen, die neue Herausforderung angenommen, uns auf und neben dem Platz weiterentwickelt, den Winti-Spirit und Schützi-Geist auf ein neues Level gebracht. Wir haben den FCW unabsteigbar gemacht.
Nicolas Galladé, Stadtrat und Vorsteher Departement Soziales




